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25Sep

ANTRAG: Hamburg wird Fahrradstadt

In den Großstädten nutzen mehr und mehr Menschen für ihre Wege ein Fahrrad anstelle eines eigenen Autos. In Hamburg sinkt der PKW-Besitz. 47,4 % der Haushalte hatten 2013 kein Auto, zehn Jahre zuvor waren das erst 39,5 %. Und auch die Neuzulassungen gehen zurück. 2013 wurden mit 125.000 neuzugelassenen Kraftfahrzeugen 8.000 weniger als 2012 gezählt. Und laut Statistischem Bundesamt besaßen Anfang 2013 30% der Haushalte in Städten ab 500 000 EinwohnerInnen ausschließlich Fahrräder als Fortbewegungsmittel, 2003 lag der Anteil noch bei 22 %. Doch geht es beim Radverkehr nicht um entweder Auto oder Rad, viele Menschen nutzen je nach Lust, Fahrtweg, Wetter und Gelegenheit das eine oder das andere Verkehrsmittel. Anders ist nicht zu erklären, dass der Radverkehrsanteil auf der Straße messbar steigt. Bei den Radpegelmessungen werden kontinuierlich mehr Räder auf der Straße gezählt. Dass die Hamburgerinnen und Hamburger gerne Rad fahren und sich für gute Radwege
einsetzen, zeigt sich an vielen Stellen. Das Fahrradleihsystem StadtRad ist das erfolgreichste Europas. 22.000 Menschen, so viele wie nie, haben im Juni an der seit 25 Jahren stattfindenden Fahrradsternfahrt, einer Demonstration für eine bessere Radverkehrspolitik teilgenommen. Und jeden letzten Freitag im Monat steigen über Tausende im Rahmen der Critical Mass auf ihr Rad, um zu zeigen: Das Rad gehört auf der Straße dazu.

Der Radverkehr erobert sich immer mehr Raum. Diesen Trend muss die Stadt verstärken, denn der Radverkehr kann einen guten Teil dazu beitragen, Hamburgs Straßen zu entlasten. Wo ein Auto fährt, passen bequem sechs Räder hin. Zudem macht Radfahren Spaß, schlägt in puncto Schnelligkeit in der Stadt den PKW um Längen, ist gesund und schützt das Klima. Mit dem Rad kommt man direkt bis vor das
Geschäft und das nutzt auch dem Einzelhandel vor Ort. Es gibt also viele gute Gründe, dem Radverkehr in der Verkehrspolitik einen großen Stellenwert beizumessen. Ein Blick auf die Städte, die Radverkehr besonders fördern, wie Kopenhagen, New York oder München, zeigt, dass auch die Lebens- und Aufenthaltsqualität an den neugestalteten Flächen und umliegenden Quartieren gestiegen ist. Oder anders gesagt: Wo viel Rad gefahren wird, lebt es sich gut und gern.

Auch Hamburg hat viel Potential, zu einer Fahrradstadt zu werden. Der Grundstein ist bereits mit den Menschen gelegt, die zeigen, dass sie gerne und für alle Zwecke Radfahren. Jetzt muss die Verkehrsplanung dieses Engagement ebenfalls an den Tag legen und sich das ambitionierte Ziel setzen, Hamburg zur Fahrradstadt zu machen.
Dies kann mit vielen verschiedenen und kreativen Maßnahmen gelingen: Allen voran muss sich die Stadt bei jeder Verkehrsfläche fragen, wofür sie in den kommenden Jahrzehnten gebraucht wird. Schon jetzt geht der Autoverkehr in der Stadt messbar zurück. Schon heute, und umso mehr in den kommenden Jahren, sind Flächen für anderes frei. Hier kann zugunsten des Radverkehrs umverteilt werden. Das kommt gleichzeitig auch den Fußgängerinnen und Fußgängern zu Gute, da die Situation auf den Gehwegen entspannt wird. Denn allen voran braucht die Fahrradstadt Hamburg gute, sichere und durchgängige Radverkehrsanlagen. Auf dem, was die Stadt bisher bietet, ist das nicht zu finden. So muss die Stadt für den Radverkehr neue Fahrmöglichkeiten schaffen. Radschnellwege, breit, vorfahrtsberechtigt und mit glatter Fahrbahn, die von den Landesgrenzen in die Stadt führen, fehlen derzeit im Portfolio der Stadt. Hier müssen zügig Planungen aufgenommen und ein mögliches Netz entwickelt werden.
Das Veloroutennetz ist etabliert und bekannt. Dies gilt es zügig instand zu setzen, durchgängig angenehm befahrbar zu machen, indem man dem Radverkehr dort generell Vorfahrt einräumt, und auszubauen. Doch reicht dieses Netz, das seinen Ursprung in den 80er Jahren hatte, nicht mehr alleine aus. Auf jeder Straße muss das Rad seine Berechtigung auf der Straße bekommen, sei es im Mischverkehr oder auf abmarkierten Radfahr- und Schutzstreifen. Ein Anfang kann hier durch die nötigen Sanierungsarbeiten gemacht werden. Wo immer eine Straße angefasst wird, werden die
Nebenflächen mitbetrachtet und die Situation auch für andere Verkehrsteilnehmer als das Auto verbessert. Langfristig muss das Ziel sein, dass der Radverkehr durchgängig auf der Straße fahren kann, es durchgängige Verbindungen gibt und Radfahrstreifen automatisch zum Straßenbild gehören.
Gleiches gilt für den Radverkehr an signalisierten Knotenpunkten und Einmündungen. Wir brauchen Ampelschaltungen, die den Radverkehr nicht an dem Verkehr auf dem Fußweg orientieren, sondern an dem auf der Straße. Dazu gehört auch, dass es größere Aufstellflächen für Räder gibt und dass Kreuzungen ohne Zwischenstopp auf einer Verkehrsinsel überfahren werden können.
Ebenfalls braucht Hamburg gute Lösungen für den ruhenden Radverkehr. Die Stadt braucht mehr sichere Abstellanlagen und das Bike+Ride-Konzept gehört endlich vorgelegt. In einer Fahrradstadt werden für den Radverkehr aber auch weitere Stellschrauben gedreht. So gehören das Tempo in den Nebenstraßen und Wohngebieten auf 30 km/h reduziert und die Auswirkungen von baustellenbedingten Straßensperrungen erhoben und evaluiert.

Leider ist der Radverkehr dem Senat egal. Der Ausbau von Radverkehrsanlagen geht nur schleppend voran: Bei Straßensanierungen zählen nur sanierte Autofahrbahn-Kilometer, die Nebenflächen und eine Verbesserung für die übrigen Verkehrsteilnehmer, insbesondere des Radverkehrs, werden nicht umfänglich und generell mitgedacht und geplant. Konzeptionell wird in Hamburg der Radverkehr ebenfalls nicht gedacht. Es geht für den Senat gerade noch darum, bestehende Radwege zu sanieren, doch für Planungen, wie es mit dem Radverkehr zukünftig weiter geht, welche Strecken über das vorhandene Angebot hinaus nötig sind, werden keine Ressourcen zur Verfügung gestellt. Dabei gibt es schon Konzepte und Überlegungen in einzelnen Bezirken sowie entsprechende Gutachten.
Auch für den ruhenden Radverkehr bietet der Senat keine Lösungen. Park+Ride wird gänzlich ohne Berücksichtigung von Rädern durchgeführt und von einem Bike+Ride-Konzept wird nur gemunkelt. Dabei hat gerade erst das Verkehrsleit- und Informationskonzept zum Ausbau und zur Erweiterung der A7 bescheinigt, dass der Radverkehr genutzt werden muss, um zusätzliche Kapazitäten für Ausweichverkehre zu generieren. Es werden der Ausbau von Velo- und Bezirksrouten und des Fahrradleihsystems StadtRad empfohlen.
All das bleibt der Senat aber schuldig. Dabei ist eine Förderung des Radverkehrs verglichen mit anderen Maßnahmen günstig zu haben und hat sowohl kurz- als auch langfristige Entwicklungsmöglichkeiten. Hamburg sollte sich jetzt aufmachen, um eine Fahrradstadt zu werden. Die Hamburgerinnen und Hamburger zeigen bereits, dass sie gerne in einer wohnen würden.

Die Bürgerschaft möge beschließen:
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Verfasst am 25.09.2014 um 11:04 Uhr von .
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