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02Feb

Gastbeitrag: Hamburg muss voller Bildung sein

Im Zuge der Podiumsdiskussion „Uni: Wohin gehst du“ konnte ich Herrn Prof. Dr. Arndt Schmehl gewinnen, einen Beitrag zum Thema Wissenschaftsstandort zu schreiben. Professor Schmehl ist an der Fakultät für Rechtswissenschaft tätig. Er forscht und lehrt in den Feldern Öffentliches Recht, Finanz- und Steuerrecht sowie Verfassungsrecht. Zudem ist er Prodekan und sehr engagiert in Fragen der Weiterentwicklung der Lehre.

Hamburg muss voller Bildung sein. Die Stärke öffentlicher Hochschulen ist dafür essentiell.

Als ich die Frage „Uni: Wohin gehst Du?“ als Veranstaltungstitel im Zusammenhang mit der Hamburg-Wahl las, dachte ich an die Widmung am Eingangsportal der Universität Hamburg. „Der Forschung, der Lehre, der Bildung“ steht dort, wie auch im Logo der Universität, zu lesen, und dies beschreibt Aufgaben und Ziele, die eine Universität sich nicht etwa alleine selbst zuschreibt, sondern die sie für die Stadt und ihre Gesellschaft verfolgt. Gerade die Nennung des Wortes „Bildung“ beschreibt dies sehr gut. Denn Bildung ist mehr als „Wissen“ und etwas anderes als ein „Status“. Bildung ist vielmehr eine Fähigkeit, ein Versprechen und damit eine Verantwortung. Mit ihr verbindet sich eine durch ein breites Fundament, auf die Einordnung des Eigenen in das Ganze gestützte Zukunftsfähigkeit.

In dieser Hinsicht ist Bildung, so hilfreich sie zugleich für den Einzelnen selbst ist, keine reine Privatsache, sondern ein unersetzliches öffentliches Gut. Es ist deshalb auch so logisch wie unausweichlich, dass dieses Gut an öffentlich zugänglichen Hochschulen aus öffentlichen Mitteln gepflegt und „produziert“ wird. Eine traditionell gehörte Bemerkung zur Erklärung des Verhältnisses Hamburgs zu seiner Universität besteht dagegen darin, dass man den Wert von Forschung, Lehre und Bildung in Hamburg vielleicht deshalb nicht hoch genug einschätze, weil man ihn nicht direkt in Wirtschaftsdaten umrechnen könne. Das hat mir allerdings nie eingeleuchtet, denn gerade „beim Geld gepackt“ gilt erst recht, dass es umso besser für Hamburg ist, je besser die Studierenden der Universität Hamburg sind. Eine gute Universität zieht gute Studierende und Mitarbeiter, Forscher und Lehrende, an; diese werden an einem zum Leben und Arbeiten auch langfristig attraktiven Ort dann auch bleiben. Und dass die berufliche und persönliche Qualifikation für die Berufswelt vielleicht die entscheidende Wohlstandsressource ist, steht außer Frage. Es spricht außerdem angesichts der demographischen Entwicklung und des weltwirtschaftlichen Umbruchs vieles dafür, dass ein Mangel an fachlicher Qualifikation gerade für die Entwicklung gerade für Europa alsbald ein noch größeres und schwierigeres Problem werden könnte als es beispielsweise die Finanzmarktkrise ist. Unsere Chance ist dagegen wissenschaftliche Bildung, und Hamburg sollte dabei vorne liegen. Gefragt sind fachliche Spezialisierung nach aktuellem Erkenntnisstand und darüber hinaus auch die Fähigkeit zum Mit- und Weiterdenken. Das sind aber genau die profilbildenden Eigenschaften einer Universität.

Für die Stabilität und den Wohlstand einer auf die Lebensweise großer persönlicher Freiheit und zugleich auf mitmenschliche Solidarität bauenden Gesellschaft kommt es enorm auf einen guten Bildungsstand und folglich auf konkurrenzfähige Hochschulen an. Daraus muss Hamburg alsbald Folgerungen ziehen. Hamburg verliert hier wegen der im Vergleich zu anderen Standorten geringeren und insbesondere zu wenig planungssicheren Mittel, die es in seine Universität investiert, an Boden. Man muss das leider so sagen, auch wenn es schon so oft gesagt worden ist und daher manchen vielleicht schon langweilt, und man rätselt über die Ursachen der falschen Prioritätensetzung. An mangelnder Leistungsfähigkeit und Leistungswillen der Universität und ihrer Mitglieder, der Studierenden, Lehrenden, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, selbst kann es nicht liegen. Im Gegenteil, gerade derzeit hat man sich hier sogar besonders engagiert auf den Weg zu neuen Ufern gemacht. Auch aus meiner eigenen Fakultät, die Rechtswissenschaft, kann ich über eine ungewöhnliche Intensität von erfolgreichen Initiativen berichten, immer bessere Beiträge zu einer verantwortungsvollen und -fähigen Beteiligung am ständigen Bau der Rechtsordnung zu leisten, was vielfach Anerkennung findet.

Man kann es nicht besser sagen als das Bundesverfassungsgericht, das in der Freiheit von Forschung und Lehre auch die Funktion einer objektiven Gewährleistung „im Interesse einer dem Wohl des Einzelnen und der Gesellschaft dienenden Wissenschaft“ verankert sieht. Es ist vielleicht gar nicht so sehr anders als beispielsweise bei der Unternehmerfreiheit: Diese wie jene Freiheit ist auch, aber nicht allein um ihrer selbst willen, sondern eben auch deshalb geschützt, weil ihr Schutz allen gemeinsam dient. Das liegt traditionellem hanseatischem Verantwortungsbewusstsein gewiss nicht fern. Eine dem Allgemeinwohl dienende Wissenschaft ist zur Erzielung exzellenter Resultate in Forschung und Lehre nur in der Lage, wenn die wissenschaftlichen Institutionen über hinreichende Freiräume verfügen, um Lehr- und Forschungsinteressen zu identifizieren und umsetzen zu können. Und in diesem Punkt muss Hamburg in der Tat besser werden, indem es das so notwendige wie berechtigte Vertrauen in seine Universität setzt.

Prof. Dr. Arndt Schmehl

Verfasst am 02.02.2011 um 12:52 Uhr von .
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