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Strafvollzug » Gastbeitrag von Prof. Dr. Maelicke
25Jan

Gastbeitrag von Prof. Dr. Maelicke

Ich freue mich sehr, dass ich Herrn Prof. Dr. Bernd Maelicke für den ersten Gastbeitrag auf meinem Blog gewinnen konnte. Er lehrt an der Leuphana Universität Lüneburg und ist Direktor des Instituts für Sozialwissenschaften. Er ist mir schon lange als Kapazität im Bereich des Strafvollzugs bekannt – in Schleswig-Holstein war er 15 Jahre für die Weiterentwicklung des Strafvollzugs verantwortlich. Er hat dabei dem Vollzug wichtige Impulse gegeben. Bundesweit gehört er zu den führenden Köpfen in der wissenschaftlichen Debatte um den Strafvollzug:

Hamburg als Modell für eine moderne Resozialisierungspolitik?

Die Freie und Hansestadt Hamburg wirkte über viele Jahre und Jahrzehnte an vorderster Stelle in der bundesweiten Reform des Strafvollzugs mit. Dies betraf z.B. Innovationen in der Sozialtherapie, im Langstrafenvollzug, im Frauen- und im Jugendvollzug. Abgebrochen wurde diese Entwicklung allerdings in den Jahren in denen Justizsenator Dr. Kusch sich am bundesweiten Wettbewerb um den härtesten Strafvollzug beteiligte, wobei die Praktiker vor Ort dennoch vielfach erfolgreich ihre Anstrengungen einer kontinuierlichen Verbesserung fortsetzten.

Die Koalitionsvereinbarung vom April 2008 knüpfte wieder an frühere Zeiten an und gab so dem von der GAL gestellten Justizsenator Dr. Steffen Aufträge und Spielräume zu dringend angezeigten Innovationen, z.B. im offenen Vollzug oder in der Sicherungsverwahrung. Eine von Dr. Steffen eingesetzte Expertenkommission hat im Februar 2010 nach einer fundierten Bestandsaufnahme über 100 Empfehlungen zu weitergehenden Optimierungen der ambulanten und stationären Resozialisierung in Hamburg vorgelegt. Bundesweit einmalig liegt so ein “Masterplan“ vor, der alle Organisationen und Institutionen einbezieht, die im Prozess der Resozialisierung für ca. 1.800 Inhaftierte und ca. 2.300 Haftentlassene jährlich relevant sind. Mit dem Beginn der Umsetzung wurde zwar begonnen, durch das Auseinanderbrechen der Koalition fehlt aber seitdem die steuernde und entscheidende Instanz, ohne die grundlegende Änderungen nicht stattfinden können.

Bei der anstehenden Bürgerschaftswahl stellt sich also die Frage, ob die von der Fachbasis in Hamburg mitentwickelten und von den Experten einstimmig angeratenen Innovationen realisiert werden oder ob die Rückkehr in gerade überwundene Zeiten der vollzugspolitischen Gegenreformation droht. Die Umsetzung der Vorschläge der Verzahnung der ambulanten und stationären Reso-Maßnahmen würde Hamburg wieder an die Spitze der bundesweiten Reformbewegung befördern – mit wissenschaftlich nachgewiesenen Effekten der Reduzierung von Rückfällen und der Verbesserung der sozialen Integration der Straftäter. Dies würde nicht nur die Interessen der Opfer besser befriedigen, sondern auch die Sicherheitslage weiter entspannen.

Nicht nur den Bürgerinnen und Bürgern in Hamburg ist zu wünschen, dass eine rationale und wirksame Resozialisierungspolitik durch die Wahlen politisch legitimiert wird!

Prof. Dr. Bernd Maelicke, Leuphana Universität Lüneburg

Verfasst am 25.01.2011 um 15:13 Uhr von .
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